Dienstag, 20. Oktober 2015

Abenteuer Cabanjacke

Diese Cabanjacke für meine jüngere Tochter ist eines der anspruchsvollsten Refashion-Projekte, das ich je in Angriff genommen habe. Ausgangspunkt war ein Mantel, den wir bei einem Besuch bei meiner Tante entdeckt hatten. Meine Mutter hatte ihn sich  Mitte der achtziger Jahre aus einem sehr schönen dicken Wollflausch genäht.
























Solche Projekte reizen mich sehr, deshalb habe ich den Mantel mitgenommen und mir überlegt, wie ich die Details wie Reverskragen und Eingriffstaschen sowie dir rückwärtige spitze Passe und die Falte beibehalten könnte. Groß genug war der Mantel - schätzungsweise Gr. 42 - aber er hatte sehr tief eingesetzte Ärmel bei überschnittenen Schultern, was bedeutet, dass die Ärmel für einen normalen Ärmel mit Armkugel zu kurz waren. Schnell hatten wir dann aber die Idee, eine Art Manschette anzusetzen, was ja auch stilmäßig sehr gut zu so einer Jacke passt. Die Ärmel mussten also herausgetrennt werden, den Rest wollte ich nur an den Seitennähten ändern. Dazu habe ich dann am Mantel und am Futter die Seitennähte aufgetrennt. Ach so, das Futter aus stabiler Duchesse war kein bisschen verschlissen, also sollte das auch bleiben.
Der nächste Schritt war dann, einen Schnitt zu finden ohne Teilungsnähte und leicht ausgestellt, den ich als Orientierung nehmen konnte. Meiner Vorstellung entsprach am ehesten die Jacke Nr. 18 aus der Ottobre 05/2009. 
Zur Schnittvorbereitung habe ich dann  die Passen an Vorder- bzw. Rückenteil geklebt und den Abnäher verlegt, denn der ursprüngliche Mantel hatte vorne einen Abnäher ausgehend von der Schulternaht. Um das schwere Mantelungetüm zu bewältigen musste ich erst einmal  unten ein Stück abschneiden, daraufhin konnte ich den neuen Schnitt auflegen. Es war erstaunlich, dass Halsausschnitt und Schulter fast genau aufeinanderpassten, genauso wie der vordere Abnäher an der richtigen Stelle saß. Ich musste tatsächlich nur die Außennähte markieren, was ich dann für Futter und Außenstoff zusammen mit der Durchschlagmethode gemacht habe.
Die Zweinahtärmel musste ich komplett neu zuschneiden. Die angesetzte Manschette aus dem unten abgeschnittenen Stoff hat nur eine Naht. Natürlich war das Futter auch zu kurz. Weil der Wollstoff doch etwas kratzt und meine Tochter sehr empfindlich ist, kam ich auf die Idee, den unteren Teil des Ärmelfutters aus Flanell zu machen.



 Die nächsten Schritte waren nun: Futter zusammennähen, Futterärmel einsetzen. Beim Mantel die Seitennähte nähen, Ärmel einsetzen, Länge ausprobieren.


 Meine Tochter wollte keinen Mantel sondern eine Jacke, deshalb ist hier so ein großer Saum umgesteckt. Es war noch ein ganz schönes Stück Arbeit, den Saum zu nähen, weil  dazu auch der vordere Besatz ein Stück weit aufgetrennt werden musste, wieder zusammengenäht und abgesteppt. Den Saum selbst habe ich mit der Hand angenäht, genauso wie das Futter, das auch vorher von Hand eingenäht war. Ich hatte nur einen Teil davon aufgetrennt. Als letzte Aktion mit der Nähmaschine habe ich noch oben ein drittes Knopfloch eingearbeitet, wodurch die Proportionen viel stimmiger wurden. Nachdem dann noch 14 Goldknöpfe angenäht waren, sah das Ganze so aus:
 























Zum Schluss hatte ich es recht eilig fertig zu werden, weil meine Tochter am Samstagabend nach London auf Studienfahrt gefahren ist. Wenn sie wieder kommt, muss ich ihr die Jacke an den Schultern noch ein bisschen schmaler machen. Von vorne fällt es nicht so auf, aber hinten muss ich schon noch was wegnehmen.
Trotz der vielen Arbeit: es hat unheimlich Spaß gemacht und es ist für mich auch eine Art  Hommage an meine Mutter, der diese Umarbeitung und Weiterverwendung ihres Mantels sehr gut gefallen hätte.

Kommentare:

  1. Einfach klasse. Sowohl das Ergebnis, wie auch die Tatsache, dass du den Mantel umgearbeitet hast. Vor Refashion habe ich ganz viel Respekt, es scheint mir soviel schwieriger als etwas neu zu nähen. Ganz besonders macht die Jacke natürlich ihre Geschichte, so ist es ein Familien Erbstück. Ob deine Tochter sie wohl auch weitergibt?
    LG,
    Claudia

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  2. Ich bin begeistert, das hätte ich nie geschafft! Die Jacke ist so schön geworden, besonders auch die Rückenansicht mit der Spitze und der Falte. Aber am schönsten finde ich die Erinnerung, die in dieser Jacke steckt.Da werde ich ganz wehmütig.
    LG Rita

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  3. Wahnsinn, wie toll du den Mantel in eine Jacke umgearbeitet hast; ich bin voller Bewunderung.
    Das Ergebnis sieht einfach klasse aus und steht deiner Tochter ausgezeichnet.
    LG von Susanne

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  4. Ich bin platt! Einfach großartig was du da gemacht hast! Sowas will ich auch irgendwann realisieren!

    Liebe Grüße
    Immi

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  5. Alle Achtung, da hast Du echt ein Meisterwerk vollbracht! Die Jacke ist große Klasse und nie im Leben wäre ich drau gekommen, dass es sich um ein Refashipn-Projekt handelt. LG Kuestensocke

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  6. Ich bin ebenfalls sprachlos, der Zeitaufwand dürfte ja ähnlich wie beim neu nähen sein. Die Jacke passt perfekt zur Tochter und nach London auch.
    Liebe Grüße
    Sylvia

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  7. ein wahnsinnsprojekt, das du hervorragend umgesetzt hast - chapeau!
    lg anja

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  8. Ich finde es unglaublich was aus dem Mantel wurde. Die moderne Jacke gefällt mir natürlich viel besser.

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  9. da hat sich die mühe echt gelohnt! ich bin auch ein großer "refashion"-fan - unglaublich, was man da so zaubern kann.
    glg Andrea :-)

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  10. Super, was du aus dem Mantel rausgeholt hast! Was ein aufwendiges refashion Projekt. Ich finde es hat sich echt gelohnt, der Mantel sieht klasse und total hochwertig aus :)
    Liebe Grüße
    Katharina

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  11. Ich kann mich den anderen nur anschließen: Toll, wie du den Mantel deiner Mutter verwandelt hast. Toll finde ich aber auch, dass deine Tochter die neue Jacke auch mag. Meine Tochter würde einen alten umgenähten Mantel ihrer Oma sicher nicht anziehen.
    Liebe Grüße
    Carmen

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  12. Wow das war ja eine anspruchsvolle Aufgabe. Toll gelungen, steht deiner Tochter wirklich gut. Ich habe hier auch so ein Projekt liegen, aber traue mich nicht ran. Liebe Grüsse Martina

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Ich freue mich total über Kommentare und bedanke mich bei allen, die sich die Zeit nehmen, einen Kommentar abzugeben.